Wein in Wien

Der Weinbau in Wien hat eine große Tradition und ist vermutlich so alt wie die Stadt selbst. Schon zu Zeiten der Kelten wurde im damaligen Vedunia Weinbau betrieben. Auch die Römer wussten Wein zu schätzen und kultivierten Wein in Vindobona, um unter anderem ihre Legionen damit zu versorgen. Der erste Weinberg war der heutige Wienerberg.

Im Mittelalter war Wien gänzlich von Weingärten umgeben, die sogar bis in den heutigen ersten Bezirk reichten. Durch die zunehmende Ausdehnung der Stadt mussten viele von ihnen jedoch wieder gerodet werden, woraufhin sich der Weinbau in die Vororte der Stadt verlagerte, wo er bis heute angesiedelt ist.

Für eine weitreichende Änderung im Wiens Weinbau sorgte schließlich Joseph II. Der Kaiser erlies 1784 ein Dekret, das Weinbauern auch den Ausschank von selbstproduzierten Weinen und Säften ermöglichte. Während anfangs noch keine Lebensmittel serviert und Speisen nur selbst mitgebracht werden durften, um einen Wettbewerb mit niedergelassenen Gaststätten zu vermeiden, wurde auch diese Restriktion später nach und nach gelockert. Die Heurigenkultur und damit ein Stück „Wiener Gemütlichkeit“ war somit geboren.

In den letzten Jahrzehnten ist es schließlich gelungen, sich vom Image der simplen Heurigenstadt zu lösen und die edlen Tropfen der Bundeshauptstadt auch auf die Weinkarten internationaler Gourmetrestaurants zu platzieren.

Rote Weintrauben

Ausgezeichnete Hanglagen, nährstoffreiche Böden, das Klima der pannonischen Ebene und nicht zuletzt die Hingabe ideenreicher Winzerinnen und Winzer sorgen heute für internationale Spitzenweine aus der Donaumetropole.

In den vergangenen Jahren hat sich vor allem der Wiener Gemischte Satz in den Vordergrund gerückt und ist zum Aushängeschild der Stadt avanciert. Seit 2013 erhält dieser auch die Qualitätsauszeichnung „DAC“ – ein Gütesiegel, das jene Weine hervorhebt, die ihre Herkunftsregion in unverkennbarer Weise repräsentieren. Die Bezeichnung „Gemischter Satz“ ist zudem EU-weit geschützt.

Wiens Weingärten von oben

Heute wird der Weinbau vor allem im Nordwesten der Stadt betrieben, besonders in Döbling und Floridsdorf. Aber auch in Favoriten, Hietzing, Ottakring, Hernals, der Donaustadt und nicht zuletzt in Liesing wird Wein gekeltert. Die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten wirken sich dabei maßgeblich auf die Qualität der Produkte aus: Braun- und Schwarzerdeböden im Süden der Stadt eignen sich etwa gut für kraftvolle Weißweinsorten oder opulente Rotweincuvées. Die kalkreichen Lagen an Bisamberg oder Kahlenberg liefern wiederum besonders gute Bedingungen für Riesling, Chardonnay und Weißburgunder.

Insgesamt umfassen Wiens Rebflächen heute 645 Hektar, wovon rund 80 % auf Weißweinsorten entfallen. Kein Wunder also, dass der „Weiße Spritzer“ in der Bundeshauptstadt besonders beliebt ist.

Knapp 30 % der Rebflächen sind mittlerweile biologisch bewirtschaftet. Insgesamt werden rund 2,3 Hektoliter Wein pro Jahr in Wien gekeltert – eine gigantische Summe für eine Millionenstadt. Der Weinbau ist damit auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor Wiens, die die einzige Großstadt der Welt mit nennenswertem Weinbau innerhalb der eigenen Stadtgrenzen ist.